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„Fußball“, 2007, 170 x 185 cm

Der Maler Mirko Schallenberg

Ein Besuch im Berliner Atelier

di Bernd Ziegenrücker, il 13/12/2007

In Berlin gibt es einige tausend Künstler – Ateliers. Viele befinden sich in ehemaligen Fabrikgebäuden. Die Cultural Industry hat genug Flächen zu besetzen in einer Stadt, die Ihre Industrie fast ganz verloren hat.

Das Atelier von Mirko Schallenberg befindet sich in Kreuzberg im 3. Hinterhof eines typischen Gründerzeitgebäudes. Im Hinterhof hat sich die ein- und zweigeschossige ehemalige Gewerbebebauung erhalten. Ein dunkler Eingang führt in ein hohes schmales Treppenhaus mit ausgetretenen Holzbohlen in die erste Etage, in den ehemaligen Ballsaal, der nun Atelier ist. Die hohen Decken und die hohen Rundbogenfenster bestimmen den Raum.

Mirko Schallenberg war Meiserschüler bei Herrmann Albert in Braunschweig und Mitbegründer der Malergruppe Konvention (1995). Er malt ausschließlich Stillleben in Ölmaltechnik.

„Grashüpfer“, 2006, 156 x 170 cm

Mirko Schallenberg konfrontiert uns in seinen Bildern mit ordentlich gestapelten Ge-genständen, die in einer schmalen Raumbühne erscheinen. Der Boden und Hinter-grund ist zumeist monochrom bzw. in divergente Farbfelder aufgeteilt. Die Monoch-romie ist farblich zusammengesetzt durch sich überlagernde Farbschichten.

Davor stehen die aufgestapelten Steine, Vasen, Körbe, Gläser, Holzbretter, Flaschen etc. Die Dinge werden stark vergrößert. Es gibt eine geheime Ordnung der Dinge, die durch die equilibristische Statik bestimmt zu sein scheint. Oder auch durch die Farbigkeit der Oberflächen.

Eine Fülle kunsthistorischer Anspielungen sei es nun an die Wunderkammern der Renaissance oder das memento mori der Barockzeit kommen einem in den Sinn. Die im Bild brennende Kerze als Beleuchtung oder die Insekten erinnern ebenfalls an Malerei des 17.Jahrhunderts. Aber auch Morandis Stillleben kommen einem in den Sinn.

Neben kompositionellen Gesichtspunkten geht es Mirko Schallenberg im Gegensatz zu Morandi um eine dramatische Zusammenschau von Objekten, die sich durchaus gegenseitig gefährlich werden können. Der funktionale Zusammenhang der Dinge wird gesprengt und das Objekt tritt als solches in den Dialog mit anderen Objekten.
Das häufig postulierte Ende der realistischen Malerei ist Gottseidank in weite Ferne gerückt und der mainstream zieht schnell an uns vorüber.

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